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Maßnahme-Paket zur Lehrerversorgung

Bild: Klassenzimmer mit Lehrerin und sich meldenden Kindern © dpa-Bildfunk

Die Staatsregierung hat ein Maßnahme-Paket zur Lehrerversorgung verabschiedet. Ziel ist es, den Lehrerbedarf an Sachsens Schulen besser abzusichern und die Attraktivität des Lehrerberufs zu erhöhen. Die beschlossenen Maßnahmen treten ab 1. Januar 2017 in Kraft. Die Kosten für das Maßnahme-Paket belaufen sich für die nächsten beiden Jahre 2017 und 2018 auf rund 213 Millionen Euro.

Mit Inkrafttreten des Maßnahme-Paketes werden unter anderem höhere Einstiegsgehälter an der Oberschule und finanzielle Anreize für Lehrer in Mangelregionen und Mangelfächer eingeführt. Um ältere Lehrer länger im Schuldienst zu halten, gibt es zudem die Möglichkeit, mehr Geld zu verdienen und weniger Stunden zu unterrichten. Das Maßnahme-Paket sieht auch die Qualifizierung von Seiteneinsteigern und deren bessere Bezahlung vor.

Maßnahmen zur Gewinnung und Bindung von Lehrkräften

Ziel ist es, den Zugang zum Lehramtsstudium insbesondere für Abiturienten aus Sachsen zu verbessern. Dazu soll die Hochschulzulassungsverordnung fortentwickelt werden. Unter anderem soll zum Beispiel ein Freiwilliges Soziales Jahr Pädagogik bei der Zulassungsentscheidung stärker berücksichtigt werden.

Ab 1. Januar 2017 sollen Lehramtsanwärter einen Gehaltszuschlag in Höhe von 390 Euro pro Monat bekommen. Voraussetzung ist, dass sich die Referendare verpflichten, nach erfolgreichem Abschluss ihres Vorbereitungsdienstes für vier Jahre als Lehrerinnen und Lehrer in Sachsen tätig zu sein.

Alle Lehrer mit Lehrämtern der Sekundarstufe an öffentlichen Schulen in Sachsen werden ab 1. Januar 2017 in die Entgeltgruppe 13 TV-L (Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst der Länder) eingruppiert.

Gerade für Seiteneinsteiger mit einer Hochschulausbildung in einem Gebiet, aus dem ein Schulfach abgeleitet werden kann, verbessert sich damit die Bezahlung deutlich. Seiteneinsteiger als künftige Lehrkräfte in MINT-Fächern können so leichter gewonnen werden.

Um im Wettbewerb mit anderen Bundesländern um junge Lehrer bestehen zu können, kann eine Zulage in Höhe der Differenz von bis zu zwei Stufen des TV-L gewährt werden. Auch vollausgebildete Lehrkräfte aus dem Schuldienst eines anderen Bundeslandes können bei einem Wechsel nach Sachsen ab dem 1. Januar 2017 Zulagen in dieser Höhe erhalten.

Seiteneinsteiger sollen zukünftig besser auf ihre Tätigkeit an der Schule vorbereitet werden. Zur Qualifizierung dieser künftigen Lehrer wird ein auf mindestens fünf Jahre ausgelegtes Qualifizierungsprogramm aufgelegt.

Dreimonatige Einstiegsfortbildung

Künftig werden Seiteneinsteiger eingestellt und durchlaufen zunächst eine dreimonatige Einstiegsfortbildung. In dieser Phase vermitteln erfahrene Lehrkräfte und Mentoren schulart- und fachübergreifende Inhalte sowie Kenntnisse und Fertigkeiten zu wesentlichen Abläufen des Schulalltages und der Unterrichtsgestaltung. Die dreimonatige Einstiegsfortbildung endet mit einer Bewährungsfeststellung.

Berufsbegleitende Qualifizierung

In möglichst unmittelbarem Anschluss werden die Seiteneinsteiger berufsbegleitend an einer Universität weiter qualifiziert. Die Qualifizierungsangebote werden individuell und aufbauend zum vorhandenen Hochschulabschluss gestaltet.

Die Lehrerstellen in Sachsen werden auf insgesamt 722 Stellen für die nächsten beiden Haushaltsjahre erhöht. Grund dafür ist der zusätzliche Lehrerbedarf, welcher durch das Qualifizierungsprogramm für Seiteneinsteiger entsteht. Ein weiterer Grund ist die Anpassung des Regelstundenmaßes von Grundschullehrern. Dieses wird von 28 auf 27 Wochenstunden gesenkt.

Das Einstellungsverfahren für Lehrer wird zukünftig transparenter und bewerberorientierter ausgestaltet. Neu ist, dass zukünftig die konkreten Bedarfe der Schulstandorte veröffentlicht werden und eine schulstandortspezifische Bewerbung möglich ist. Bislang können sich Lehrer lediglich schulartspezifisch bewerben.

Derzeit gehen neun von zehn Lehrern vor Erreichen der Regelaltersgrenze in Rente. Um diese Lehrkräfte zum Verbleib im Schuldienst zu bewegen setzt das Maßnahmenpaket in der entscheidenden Phase um das 63. Lebensjahr einen möglichst großen Anreiz.

Durch eine stufenweise Herabsetzung der Stundenzahlen und ein höheres Entgelt ab dem 63. Lebensjahr soll die Quote der vorzeitigen Renteneintritte von Lehrern verringert werden. Der Zuschlag kann bis zu 780 Euro brutto betragen.

Finanzielle Gleichstellung und Annerkennung von Mehrarbeit

Diplomlehrer mit einem Fach, welche die Ausbildung in einem zweiten Fach nachgeholt haben, wird bei nachgewiesener erfolgreicher fünfjähriger Unterrichtstätigkeit in diesem zweiten Fach eine Lehrbefähigung zuerkannt. Damit sind diese Lehrer einem Diplomlehrer mit zwei Fächern der entsprechenden Schulart gleichgestellt.

Auch für Ein-Fach-Diplomlehrer, die die Ausbildung in dem zweiten Fach nicht nachgeholt haben, aber langjährig ein weiteres Fach unterrichten, wird ein Verfahren zur finanziellen Gleichstellung zeitnah auf den Weg gebracht.

Fachberater an Oberschulen und Förderschulen werden ab 1. Januar 2017 ihren Kollegen an Gymnasien und Berufsschulen gleichgestellt. Mit einer Eingruppierung in die Gehaltsgruppe E14 werden die Fachberater zukünftig finanziell besser gestellt.

Fachberater an Grundschulen erhalten ab dem 1. Januar 2017 eine Vergütung nach E 13 TV-L.

Lehrer können zukünftig freiwillig ihren Beschäftigungsumfang über ihr Stundendeputat erhöhen, wenn dies aus dienstlichen Gründen erforderlich ist. Diese Mehrarbeit wird finanziell voll ausgeglichen. Das gilt auch künftig für Vertretungsstunden, die ab der ersten Stunde bezahlt werden.

Zudem sollen für Lehrkräfte an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen die Voraussetzungen zur Einrichtung freiwilliger Arbeitszeitkonten geschaffen werden. Für die Umsetzung wird eine interministerielle Arbeitsgruppe eingerichtet.

Maßnahmen zur Arbeitserleichterung für Schulen und Lehrkräfte

Geeignete Maßnahmen, mit denen die Belastung der Lehrkräfte und Schulleitungen gesenkt werden sollen, werden bis zum Schuljahresende 2016/2017 durch das Staatsministerium für Kultus festgelegt. Dabei sollen die Schulordnungen sowie die eingeführte Instrumente zur Dokumentation und Qualitätssicherung in ihrer Wirkung kritisch hinterfragt werden. Aufwand und Nutzen werden neu abgewogen. Die entsprechenden Maßnahmen werden gemeinsam mit Fachberatern erarbeitet.

Das Kultusministerium erprobt ab dem Schuljahr 2017/2018 den Einsatz von Schulverwaltungsassistenten an den öffentlichen Schulen. Zu diesem Zweck werden pro Landkreis bzw. Kreisfreier Stadt drei Schulverwaltungsassistenten befristet eingestellt und mit administrativen Aufgaben betraut. Ziel des auf zwei Jahre angelegten Modellprojektes ist es,  die Schulleitungen bei administrativen Tätigkeiten zu unterstützen.

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