Hauptinhalt

Miteinander reden! – Bürgerwerkstatt

Die neue Dialogreihe der Staatsregierung

Das neue Dialogformat geht auf Initiative von Regierungschef Michael Kretschmer zurück. In seiner Regierungserklärung mit dem Titel »Für eine demokratische Gesellschaft und einen starken Staat« hatte er Anfang September im Landtag in Dresden betont, es sei wichtig fürs Land, differenziert zu argumentieren, Dialoge im ganzen Land zu führen und für die Demokratie zu werben.

Dabei gehe es auch darum, eine Rückmeldung zu bekommen von Dingen, die nicht funktionierten. Deswegen freue er sich über die Unterstützung durch die vier Persönlichkeiten bei dieser wichtigen Arbeit.

Bei dem Dialogprojekt handelt es sich um eine Ergänzung zu den bereits bestehenden Dialogformaten der Staatsregierung »Das Sachsengespräch« und »Direkt: Michael Kretschmer im Gespräch in Ihrer Gemeinde«.

Wie funktioniert die »Bürgerwerkstatt«?

Stilisierte Menschen in grünen Farben stehen vor einer weißen Wand. Über ihnen befinden sich Sprechblasen. © Sächsische Staatskanzlei, rawpixel.com / Freepik

Zur Bürgerwerkstatt sollen Menschen eingeladen werden, die sich in ihrer Region für die Bürgergesellschaft engagieren – ob bei der Freiwilligen Feuerwehr, im Sportverein oder in der Wohlfahrtspflege.

Diese Bürger-Sachverständigen sollen mit Verantwortung tragenden Verwaltungsexperten aus ihrem Landkreis beziehungsweise ihrer Stadt auf Augenhöhe zusammenkommen und gemeinsam mit ihnen über die Dinge sprechen, die sie bewegen und die sie bewegen möchten. Ziel ist es, in den Regionen den Dialog und die Beteiligung zu fördern und weiter voranzubringen.

Wo finden die nächsten Veranstaltungen statt?

Die nächsten Termine der »Bürgerwerkstätten«:

Veranstaltung

Datum

Landkreis/kreisfreie Stadt

Ort

9

Dienstag, 7. Mai 2019

Landkreis Zwickau

Zwickau

10

Mittwoch, 8. Mai 2019

Landkreis Leipziger Land

Borna

11

Donnerstag, 16. Mai 2019

Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Pirna

12

Dienstag, 4. Juni 2019

Vogtlandkreis

Plauen

13

Mittwoch, 5. Juni 2019

Landkreis Meißen

Meißen

Wer leitet das Dialogprojekt?

Realisiert wird das Projekt von einem vierköpfigen Expertengremium. Ihm gehören die Universitätsprofessorin Astrid Lorenz, der Theologe und frühere sächsische Innenminister Heinz Eggert, der Geschäftsführer der Aktion Zivilcourage, Sebastian Reißig, sowie der Chef des Beratungs- und Bildungsinstituts B3, Bernd Stracke, an.

Eine Frau in einem schwarzen Kostüm. © Christian Hüller

Astrid Lorenz wurde 1975 in Rostock geboren. Nach dem Abitur in Neubrandenburg studierte sie an der Freien Universität Berlin Politikwissenschaft (Diplom) und Osteuropastudien (Magister Artium). Von 1998 bis 2001 promovierte sie als Stipendiatin der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Graduiertenkolleg »Das neue Europa«.

Ab 2002 war sie Wissenschaftliche Assistentin an der Professur für Innenpolitik der Bundesrepublik Deutschland der Humboldt-Universität Berlin, wo sie 2006 zur Juniorprofessorin berufen wurde. Seit 2011 hat sie die Professur „Politisches System der Bundesrepublik Deutschland/Politik in Europa“ an der Universität Leipzig inne. Sie ist Direktorin des Instituts für Politikwissenschaft und seit 2016 Prodekanin der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie.

Astrid Lorenz lebt in Leipzig und hat drei Kinder.

Astrid Lorenz: »Ich bin immer wieder beeindruckt davon, wie viele Menschen in Sachsen sich selbstlos für das Gemeinwesen engagieren. Aus der Bürgerwerkstatt heraus könnten auf lange Sicht gemeinsame Konzepte für die Zukunft entstehen, Missverständnisse und Fehlplanungen gemindert werden. Eine starke Bürgergesellschaft ist außerdem ein Bollwerk gegen Extremismus.«

Die Bürgerwerkstätten tragen dazu bei, dass nicht nur über Problemsichten geredet wird, sondern konkrete Ideen und eine engere Vernetzung der kritischen Engagierten mit Politik und Verwaltung angeregt werden.

Prof. Dr. Astrid Lorenz
Ein Mann mit einem Kinn und Oberlippenbart. © Heinz Eggert

Heinz Eggert wurde 1946 in Rostock geboren. Er studierte von 1969 bis 1974 evangelisch-lutherische Theologie an der Universität Rostock und war danach bis 1990 Gemeindepfarrer in Oybin und Studentenpfarrer in Zittau. Von 1991 bis 1995 war Heinz Eggert Sächsischer Staatsminister des Innern und von 1994 bis 2009 Mitglied des Sächsischen Landtags.

Heinz Eggert: »Es gibt zu Gesprächen keine Alternative. An den Gesprächstischen in den Regionen werden sich engagierte und kompetente Bürger zusammensetzen um sich auseinanderzusetzen, weil es um die besten Lösungen für die Zukunft geht. Dabei darf Kompetenz und Sachkenntnis nicht zur Rechthaberei verkommen. Selber reden ist genauso notwendig, wie genau zu zuhören und damit auch zu wissen, dass jeder verändert aus dem Gespräch herauskommen wird. Wenn dann noch die notwendige Kompromissbereitschaft vorhanden ist und der Wille, zu dem gemeinsam Erreichten auch zu stehen, dann ist es das, was ich mir – was wir uns – auch für unsere Gesprächsrunden wünschen.«

Die Bürgerwerkstatt ist ein Angebot für die Regionen, eine Initialzündung, die dort chancenreich verstetigt werden kann und keine Eintagsfliege werden muss.

Heinz Eggert, Staatsminister a. D.
Ein Mann mit Brille und blauem Hemd. © Benjamin Jenak

Sebastian Reißig wurde 1978 in Pirna geboren. Er ist Geschäftsführer der Aktion Zivilcourage e.V. und studierte berufsbegleitend Sozialmanagement. 1998 gründete er den über die sächsischen Landesgrenzen hinaus bekannten Verein Aktion Zivilcourage. Seit 2001 arbeitet er dort als Geschäftsführer. Der Verein hat zur Zeit 150 Mitglieder und 22 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Besonders die vernetzende und aktivierende Arbeit für Demokratie im ländlichen Raum ist der Organisation ein großes Anliegen.

Sebastian Reißig lebt in Pirna.

Sebastian Reißig: »Unser Land sowie unsere Demokratie lebt von dem Engagement der tausenden Freiwilligen, die sich tagtäglich in Kultur- oder Sportvereinen, Jugend- oder Seniorenverbänden, den Rettungsdiensten, den Kirchen oder bei der Feuerwehr einbringen.«

Das Zusammenbringen und Verknüpfen des Expertenwissens der Freiwilligen und der Kompetenzen unserer Verwaltungen ist ein wichtiges Anliegen der Bürgerwerkstätten.

Sebastian Reißig
Ein Mann mit blauem Hemd und Brille. © Bernd Stracke

Bernd Stracke wurde 1963 in Leipzig geboren. Der gelernte Holzmodellbauer arbeitet heute als Sozialpädagoge und ist als Mediator, Moderator und Berater tätig. Stracke ist Geschäftsführer des B3 Institut für Beratung, Begleitung und Bildung e.V. Der Verein arbeitet als Kontaktstelle und Ansprechpartner, um Politik, Verwaltung und Vereine bei der Arbeit gegen Extremismus zu unterstützen.

Bernd Stracke lebt in Löbau.

Bernd Stracke: »Beim derzeitigen Erstarken von Populismus und Nationalismus, bei der zunehmenden Aggression in den Auseinandersetzungen und in der Sprachkultur, sehe ich kaum eine andere Möglichkeit als das Gespräch, um dieser Entwicklung entgegen zu wirken. Den Riss in der Gesellschaft und durch alle deren Institutionen, bekommen wir nur wieder gekittet, wenn wir aufeinander zugehen, statt einander Schuld zuzuweisen.«

Demokratie lebt von der Debatte und entwickelt sich dadurch weiter. Wir sollten die Verbindung vom Wähler zum Entscheider wieder direkter und selbstverständlicher machen.

Bernd Stracke

Häufige Fragen

Mit den nachstehenden Antworten auf die Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Auftaktveranstaltung der Dialogreihe am 23. November 2018 informieren wir Sie über die weiteren Schritte im Vorhaben.

Die Bürgerwerkstätten sollen dazu dienen, über Zukunftsperspektiven vor Ort bis 2030 zu sprechen und zu überlegen, mit welchen gemeinsamen Anstrengungen in der Gesellschaft und mit der Politik und Verwaltung wir dorthin kommen. Da ohne Sie diese Zukunft nicht gestaltbar ist, wenden wir uns an Sie und andere Engagierte in Wirtschaft, Vereinen und Verbänden, im Beruf und Ehrenamt. Zugleich möchten wir damit das großartige, vielfältige und unverzichtbare Engagement für die Gemeinschaft würdigen.

Wir wollen ganz Sachsen erreichen. Die Bürgerwerkstätten finden daher in allen 13 Landkreisen und kreisfreien Städten statt – in den Landkreisen in der Gemeinde, in der der Landrat seinen Sitz hat. Die Veranstaltungen beginnen i.d.R. um 18.30 Uhr und enden um ca. 22.15 Uhr. Unsere Erfahrungen aus Dialogprozessen verschiedener Art zeigen: Das ist eine gute Zeit für alle Generationen, Jung und Alt, eine Zeit, die auch längere An- und Abreisezeiten noch ermöglicht.

Damit wir wirklich ins Gespräch kommen können, wollen wir die Teilnehmerzahl auf ca. 100 pro Werkstatt begrenzen. Bitte helfen Sie uns dabei, trotz dieser Begrenzung ein gutes Abbild unserer Gesellschaft dabei zu haben: Bringen Sie noch zwei, drei weitere Gäste aus dem Umfeld Ihres Unternehmens, Vereins, Ihrer Organisation mit. Wer hat eine gute Idee für Sachsen, eine Sorge, die viele teilen, wer bereichert anderweitig unser gemeinsames Nachdenken über die Zukunft? Wir freuen uns auf Sie!

Nein. Wir wollen zusätzlich zu Angeboten der Parteien ein Forum bieten, in dem vor allem Bürgerinnen und Bürger selbst ihre Sichtweisen erörtern und gemeinsame Handlungspotenziale für Lösungen vor Ort ausloten. Aus der Politik wird der Landrat bzw. der Oberbürgermeister/die Oberbürgermeisterin und ein Mitglied der Staatsregierung anwesend sein, um darüber zu informieren, wie welche Ebene zur Lösung beitragen kann. Auch Vertreter der kommunalen Verwaltung und ein Vertreter der Polizei werden bereitstehen, um Informationen zu geben.

Wir laden Sie persönlich circa vier Wochen vor der Bürgerwerkstatt in Ihrem Landkreis bzw. Ihrer Stadt ein, damit Sie rechtzeitig planen können. In der entsprechenden E-Mail bitten wir Sie zugleich darum, der Staatskanzlei Ihre zwei oder drei Begleiterinnen, Begleiter zu nennen und deren E-Mail-Adressen zu übermitteln. Sie erhalten dann ebenfalls eine persönliche Einladung zur Bürgerwerkstatt.

Für organisatorische Fragen findet vor jeder Bürgerwerkstatt eine Besprechung mit dem Landrat oder dem Oberbürgermeister, der Oberbürgermeisterin statt. Hier werden jedoch keine Themen vorbestimmt. Über die Themen entscheiden die Teilnehmer der Bürgerwerkstatt selbst.

Die Diskussionen finden in vier Kleingruppen statt. Die Gruppenbildung erfolgt per Los. Jede Gruppe hat 5x30 Minuten, um über Problemsichten und Zukunftsperspektiven zu reden. Sie kommt dabei mit jedem Vertreter der Kommune, des Landes und der Polizei zusammen. Im Idealfall entstehen Ideen für neue Vernetzungen und Nachfolgetreffen zu bestimmten Vorhaben vor Ort. Ministerpräsident Kretschmer wird regionale Gruppen, die auf diese Weise entstehen und konkrete Pläne und Vorschläge entwickelt haben, persönlich in Dresden zum Gespräch empfangen. Nach Ablauf aller Bürgerwerkstätten laden wir zu einer gemeinsamen Abschlussveranstaltung ein. Das wird im Juni 2019 sein.

Alle Themen, Impulse und Arbeitsergebnisse der Kleingruppen werden dokumentiert und veröffentlicht, so dass auch Personen, die nicht anwesend waren, Parteien und Verwaltungseinheiten sich informieren und die Vorschläge aufgreifen oder kommentieren können. Die Dialoge werden auch wissenschaftlich begleitet und der Prozess evaluiert. Auf diese Weise wollen wir einen nachhaltigen Effekt anregen, auch wenn es natürlich nicht in der Hand der Werkstätten selbst liegt, politische Entscheidungen zu treffen.

Die Gespräche während der Bürgerwerkstatt sind nicht presseoffen. Aber es sind Informationen davor und danach an die Medien möglich.

zurück zum Seitenanfang