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Miteinander reden! – Bürgerwerkstatt

Das stilisierte Ornament des sächsischen Wappens mit blauen Streifen. © Sächsische Staatskanzlei

Die neue Dialogreihe der Staatsregierung

Das neue Dialogformat geht auf Initiative von Regierungschef Michael Kretschmer zurück. In seiner Regierungserklärung mit dem Titel »Für eine demokratische Gesellschaft und einen starken Staat« hatte er Anfang September im Landtag in Dresden betont, es sei wichtig fürs Land, differenziert zu argumentieren, Dialoge im ganzen Land zu führen und für die Demokratie zu werben.

Dabei gehe es auch darum, eine Rückmeldung zu bekommen von Dingen, die nicht funktionierten. Deswegen freue er sich über die Unterstützung durch die vier Persönlichkeiten bei dieser wichtigen Arbeit.

Bei dem Dialogprojekt handelt es sich um eine Ergänzung zu den bereits bestehenden Dialogformaten der Staatsregierung »Das Sachsengespräch« und »Direkt: Michael Kretschmer im Gespräch in Ihrer Gemeinde«.

Wie funktioniert die »Bürgerwerkstatt«?

Stilisierte Menschen in grünen Farben stehen vor einer weißen Wand. Über ihnen befinden sich Sprechblasen. © Sächsische Staatskanzlei, rawpixel.com / Freepik

Zur Bürgerwerkstatt sollen Menschen eingeladen werden, die sich in ihrer Region für die Bürgergesellschaft engagieren – ob bei der Freiwilligen Feuerwehr, im Sportverein oder in der Wohlfahrtspflege.

Diese Bürger-Sachverständigen sollen mit Verantwortung tragenden Verwaltungsexperten aus ihrem Landkreis beziehungsweise ihrer Stadt auf Augenhöhe zusammenkommen und gemeinsam mit ihnen über die Dinge sprechen, die sie bewegen und die sie bewegen möchten. Ziel ist es, in den Regionen den Dialog und die Beteiligung zu fördern und weiter voranzubringen.

Bereits veranstaltete »Bürgerwerkstätten« im Überblick

Klicken Sie auf die unten angegebenen Termine, um zur jeweiligen Kurzdokumentationen der Veranstaltung zu gelangen.

Wo finden die nächsten Veranstaltungen statt?

Die nächsten Termine der »Bürgerwerkstätten«:

Veranstaltung

Datum

Landkreis/kreisfreie Stadt

Ort

5

Mittwoch, 6. März 2019

Landkreis Nordsachsen

Torgau

6

Donnerstag, 7. März 2019

Landkreis Görlitz

Görlitz

7

Montag, 25. März 2019

Stadt Dresden

Dresden

8

Dienstag, 16. April 2019

Stadt Chemnitz

Chemnitz

9

Dienstag, 7. Mai 2019

Landkreis Zwickau

Zwickau

10

Mittwoch, 8. Mai 2019

Landkreis Leipziger Land

Borna

11

Mittwoch, 16. Mai 2019

Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Pirna

12

Dienstag, 4. Juni 2019

Vogtlandkreis

Plauen

13

Mittwoch, 5. Juni 2019

Landkreis Meißen

Meißen

Wer leitet das Dialogprojekt?

Realisiert wird das Projekt von einem vierköpfigen Expertengremium. Ihm gehören die Universitätsprofessorin Astrid Lorenz, der Theologe und frühere sächsische Innenminister Heinz Eggert, der Geschäftsführer der Aktion Zivilcourage, Sebastian Reißig, sowie der Chef des Beratungs- und Bildungsinstituts B3, Bernd Stracke, an.

Eine Frau in einem schwarzen Kostüm. © Christian Hüller

Astrid Lorenz wurde 1975 in Rostock geboren. Nach dem Abitur in Neubrandenburg studierte sie an der Freien Universität Berlin Politikwissenschaft (Diplom) und Osteuropastudien (Magister Artium). Von 1998 bis 2001 promovierte sie als Stipendiatin der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Graduiertenkolleg »Das neue Europa«.

Ab 2002 war sie Wissenschaftliche Assistentin an der Professur für Innenpolitik der Bundesrepublik Deutschland der Humboldt-Universität Berlin, wo sie 2006 zur Juniorprofessorin berufen wurde. Seit 2011 hat sie die Professur „Politisches System der Bundesrepublik Deutschland/Politik in Europa“ an der Universität Leipzig inne. Sie ist Direktorin des Instituts für Politikwissenschaft und seit 2016 Prodekanin der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie.

Astrid Lorenz lebt in Leipzig und hat drei Kinder.

Astrid Lorenz: »Ich bin immer wieder beeindruckt davon, wie viele Menschen in Sachsen sich selbstlos für das Gemeinwesen engagieren. Aus der Bürgerwerkstatt heraus könnten auf lange Sicht gemeinsame Konzepte für die Zukunft entstehen, Missverständnisse und Fehlplanungen gemindert werden. Eine starke Bürgergesellschaft ist außerdem ein Bollwerk gegen Extremismus.«

Die Bürgerwerkstätten tragen dazu bei, dass nicht nur über Problemsichten geredet wird, sondern konkrete Ideen und eine engere Vernetzung der kritischen Engagierten mit Politik und Verwaltung angeregt werden.

Prof. Dr. Astrid Lorenz
Ein Mann mit einem Kinn und Oberlippenbart. © Heinz Eggert

Heinz Eggert wurde 1946 in Rostock geboren. Er studierte von 1969 bis 1974 evangelisch-lutherische Theologie an der Universität Rostock und war danach bis 1990 Gemeindepfarrer in Oybin und Studentenpfarrer in Zittau. Von 1991 bis 1995 war Heinz Eggert Sächsischer Staatsminister des Innern und von 1994 bis 2009 Mitglied des Sächsischen Landtags.

Heinz Eggert: »Es gibt zu Gesprächen keine Alternative. An den Gesprächstischen in den Regionen werden sich engagierte und kompetente Bürger zusammensetzen um sich auseinanderzusetzen, weil es um die besten Lösungen für die Zukunft geht. Dabei darf Kompetenz und Sachkenntnis nicht zur Rechthaberei verkommen. Selber reden ist genauso notwendig, wie genau zu zuhören und damit auch zu wissen, dass jeder verändert aus dem Gespräch herauskommen wird. Wenn dann noch die notwendige Kompromissbereitschaft vorhanden ist und der Wille, zu dem gemeinsam Erreichten auch zu stehen, dann ist es das, was ich mir – was wir uns – auch für unsere Gesprächsrunden wünschen.«

Die Bürgerwerkstatt ist ein Angebot für die Regionen, eine Initialzündung, die dort chancenreich verstetigt werden kann und keine Eintagsfliege werden muss.

Heinz Eggert, Staatsminister a. D.
Ein Mann mit Brille und blauem Hemd. © Benjamin Jenak

Sebastian Reißig wurde 1978 in Pirna geboren. Er ist Geschäftsführer der Aktion Zivilcourage e.V. und studierte berufsbegleitend Sozialmanagement. 1998 gründete er den über die sächsischen Landesgrenzen hinaus bekannten Verein Aktion Zivilcourage. Seit 2001 arbeitet er dort als Geschäftsführer. Der Verein hat zur Zeit 150 Mitglieder und 22 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Besonders die vernetzende und aktivierende Arbeit für Demokratie im ländlichen Raum ist der Organisation ein großes Anliegen.

Sebastian Reißig lebt in Pirna.

Sebastian Reißig: »Unser Land sowie unsere Demokratie lebt von dem Engagement der tausenden Freiwilligen, die sich tagtäglich in Kultur- oder Sportvereinen, Jugend- oder Seniorenverbänden, den Rettungsdiensten, den Kirchen oder bei der Feuerwehr einbringen.«

Das Zusammenbringen und Verknüpfen des Expertenwissens der Freiwilligen und der Kompetenzen unserer Verwaltungen ist ein wichtiges Anliegen der Bürgerwerkstätten.

Sebastian Reißig
Ein Mann mit blauem Hemd und Brille. © Bernd Stracke

Bernd Stracke wurde 1963 in Leipzig geboren. Der gelernte Holzmodellbauer arbeitet heute als Sozialpädagoge und ist als Mediator, Moderator und Berater tätig. Stracke ist Geschäftsführer des B3 Institut für Beratung, Begleitung und Bildung e.V. Der Verein arbeitet als Kontaktstelle und Ansprechpartner, um Politik, Verwaltung und Vereine bei der Arbeit gegen Extremismus zu unterstützen.

Bernd Stracke lebt in Löbau.

Bernd Stracke: »Beim derzeitigen Erstarken von Populismus und Nationalismus, bei der zunehmenden Aggression in den Auseinandersetzungen und in der Sprachkultur, sehe ich kaum eine andere Möglichkeit als das Gespräch, um dieser Entwicklung entgegen zu wirken. Den Riss in der Gesellschaft und durch alle deren Institutionen, bekommen wir nur wieder gekittet, wenn wir aufeinander zugehen, statt einander Schuld zuzuweisen.«

Demokratie lebt von der Debatte und entwickelt sich dadurch weiter. Wir sollten die Verbindung vom Wähler zum Entscheider wieder direkter und selbstverständlicher machen.

Bernd Stracke

Häufige Fragen

Mit den nachstehenden Antworten auf die Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Auftaktveranstaltung der Dialogreihe am 23. November 2018 informieren wir Sie über die weiteren Schritte im Vorhaben.

Die Bürgerwerkstätten sollen dazu dienen, über Zukunftsperspektiven vor Ort bis 2030 zu sprechen und zu überlegen, mit welchen gemeinsamen Anstrengungen in der Gesellschaft und mit der Politik und Verwaltung wir dorthin kommen. Da ohne Sie diese Zukunft nicht gestaltbar ist, wenden wir uns an Sie und andere Engagierte in Wirtschaft, Vereinen und Verbänden, im Beruf und Ehrenamt. Zugleich möchten wir damit das großartige, vielfältige und unverzichtbare Engagement für die Gemeinschaft würdigen.

Wir wollen ganz Sachsen erreichen. Die Bürgerwerkstätten finden daher in allen 13 Landkreisen und kreisfreien Städten statt – in den Landkreisen in der Gemeinde, in der der Landrat seinen Sitz hat. Die Veranstaltungen beginnen i.d.R. um 18.30 Uhr und enden um ca. 22.15 Uhr. Unsere Erfahrungen aus Dialogprozessen verschiedener Art zeigen: Das ist eine gute Zeit für alle Generationen, Jung und Alt, eine Zeit, die auch längere An- und Abreisezeiten noch ermöglicht.

Damit wir wirklich ins Gespräch kommen können, wollen wir die Teilnehmerzahl auf ca. 100 pro Werkstatt begrenzen. Bitte helfen Sie uns dabei, trotz dieser Begrenzung ein gutes Abbild unserer Gesellschaft dabei zu haben: Bringen Sie noch zwei, drei weitere Gäste aus dem Umfeld Ihres Unternehmens, Vereins, Ihrer Organisation mit. Wer hat eine gute Idee für Sachsen, eine Sorge, die viele teilen, wer bereichert anderweitig unser gemeinsames Nachdenken über die Zukunft? Wir freuen uns auf Sie!

Nein. Wir wollen zusätzlich zu Angeboten der Parteien ein Forum bieten, in dem vor allem Bürgerinnen und Bürger selbst ihre Sichtweisen erörtern und gemeinsame Handlungspotenziale für Lösungen vor Ort ausloten. Aus der Politik wird der Landrat bzw. der Oberbürgermeister/die Oberbürgermeisterin und ein Mitglied der Staatsregierung anwesend sein, um darüber zu informieren, wie welche Ebene zur Lösung beitragen kann. Auch Vertreter der kommunalen Verwaltung und ein Vertreter der Polizei werden bereitstehen, um Informationen zu geben.

Wir laden Sie persönlich circa vier Wochen vor der Bürgerwerkstatt in Ihrem Landkreis bzw. Ihrer Stadt ein, damit Sie rechtzeitig planen können. In der entsprechenden E-Mail bitten wir Sie zugleich darum, der Staatskanzlei Ihre zwei oder drei Begleiterinnen, Begleiter zu nennen und deren E-Mail-Adressen zu übermitteln. Sie erhalten dann ebenfalls eine persönliche Einladung zur Bürgerwerkstatt.

Für organisatorische Fragen findet vor jeder Bürgerwerkstatt eine Besprechung mit dem Landrat oder dem Oberbürgermeister, der Oberbürgermeisterin statt. Hier werden jedoch keine Themen vorbestimmt. Über die Themen entscheiden die Teilnehmer der Bürgerwerkstatt selbst.

Die Diskussionen finden in fünf Kleingruppen statt. Die Gruppenbildung erfolgt per Los. Jede Gruppe hat 5x30 Minuten, um über Problemsichten und Zukunftsperspektiven zu reden. Sie kommt dabei mit jedem Vertreter der Kommune, des Landes und der Polizei zusammen. Im Idealfall entstehen Ideen für neue Vernetzungen und Nachfolgetreffen zu bestimmten Vorhaben vor Ort. Ministerpräsident Kretschmer wird regionale Gruppen, die auf diese Weise entstehen und konkrete Pläne und Vorschläge entwickelt haben, persönlich in Dresden zum Gespräch empfangen. Nach Ablauf aller Bürgerwerkstätten laden wir zu einer gemeinsamen Abschlussveranstaltung ein. Das wird im Juni 2019 sein.

Alle Themen, Impulse und Arbeitsergebnisse der Kleingruppen werden dokumentiert und veröffentlicht, so dass auch Personen, die nicht anwesend waren, Parteien und Verwaltungseinheiten sich informieren und die Vorschläge aufgreifen oder kommentieren können. Die Dialoge werden auch wissenschaftlich begleitet und der Prozess evaluiert. Auf diese Weise wollen wir einen nachhaltigen Effekt anregen, auch wenn es natürlich nicht in der Hand der Werkstätten selbst liegt, politische Entscheidungen zu treffen.

Die Gespräche während der Bürgerwerkstatt sind nicht presseoffen. Aber es sind Informationen davor und danach an die Medien möglich.

 

Die einzelnen Veranstaltungen im Detail

An dieser Stelle informieren wir Sie rückblickend über die Abläufe und Ergebnisse der einzelnen Veranstaltungen.

Auftaktveranstaltung in der Dreikönigskirche am 23. November 2018

Die Auftaktveranstaltung der Dialogreihe »Miteinander reden! - Bürgerwerkstatt« fand am 23. November 2018 in der Dreikönigskirche in Dresden statt. Auf Einladung des Ministerpräsidenten Kretschmer waren 22 sächsische Vereine und Verbände geladen, um sich über Inhalte und Ablauf der geplanten Dialogreihe zu informieren.

Dabei stellten die Projektleiter Astrid Lorenz, Heinz Eggert, Sebastian Reißig und Bernd Stracke die Ziele des Projektes vor und beantworteten Fragen der Teilnehmer.

Weitere Informationen zur Auftaktveranstaltung der Dialogreihe »Miteinander reden! – Bürgerwerkstatt«

Die »Bürgerwerkstatt« in Freiberg am 8. Januar 2019

Zwei Männer unterhalten sich.
Teilnehmer der »Bürgerwerkstatt« im Gespräch.  © Sächsische Staatskanzlei

Rund einhundert geladene Bürgerinnen und Bürger aus dem Landkreis Mittelsachsen, darunter viele ehrenamtlich Engagierte, diskutierten aktuelle Herausforderungen, die im Landkreis und in Sachsen die Menschen bewegen.

Unter den Gästen waren auch:

  • der Sächsische Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft, Thomas Schmidt,
  • Landrat Matthias Damm,
  • der 1. Beigeordnete Dr. Lothar Beier (Geschäftsfeld Kreisentwicklung Verkehr und Umwelt),
  • der 2. Beigeordnete Jörg Höllmüller (Geschäftskreis Ordnung, Soziales und Gesundheit) und
  • Polizeipräsidentin Sonja Penzel.

Per Los wurde über die Zusammensetzung der Diskussionsrunden entschieden. Damit alle Teilnehmenden jeweils mit allen fünf Gesprächspartnern in den Austausch kommen konnten, wechselten diese alle 30 Minuten den Tisch.

Staatsminister Thomas Schmidt als Vertreter der sächsischen Staatsregierung wurde u.a. mit Fragen zum Ausbau der Radwege und des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) konfrontiert. Viele Teilnehmende wollen ihre Fährräder auch auf dem Land nutzen, um öfter auf das Auto zu verzichten und so unter anderem die Umwelt zu schützen. Sie forderten einer besseren Radinfrastruktur.

Bei den Gesprächen mit der Leiterin der Polizeidirektion Chemnitz, Sonja Penzel, ging es hauptsächlich um das Gefühl der subjektiven Sicherheit und die Rolle der Medien bei der öffentlichen Darstellung der Polizei. Der Wunsch nach einer sichtbaren und wieder mehr respektierten Polizei wurde deutlich.

In einzelnen Gemeinden fühlen sich Menschen nicht ausreichend versorgt. Solange der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur sowie des Breitband-Internets auf dem ländlichen Raum nur schleppend vorankomme, sei dieser für eine Vielzahl von BürgerInnen unattraktiv. Schon jetzt hätten es ältere Mitbürger und Kinder schwer, Einkaufsmöglichkeiten und andere Orte des öffentlichen Alltagslebens aufzusuchen, da diese vermehrt zusammengelegt und bloß zentral zur Verfügung stünden. Für Schüler wurden ein Ausbau von Schulen sowie ein Schüler- und Auszubildendenticket gewünscht, welches auch über die Verbundnetzgrenzen hinweg genutzt werden kann.

Männer sitzen an einem Tisch und unterhalten sich.
Per Los wurde über die Zusammensetzung der Diskussionsrunden entschieden.  © Sächsische Staatskanzlei

Diskutiert wurden auch Fragen zur Zukunft des für das gesellschaftliche Miteinander so wichtigen Ehrenamts. Landrat Matthias Damm war hierfür ein wichtiger Ansprechpartner. Die Teilnehmer brachten ihren Wunsch zum Ausdruck, dass sich mehr Menschen ehrenamtlich betätigen und dass die Wertschätzung für das Ehrenamt steigen müsse. Bei der komplexen Fördermittelvergabe wurde der Wunsch nach einer Entbürokratisierung thematisiert. Als Lösungsvorschlag wurde auch vorgeschlagen, ein Fördermittelamt zu errichten, welches Unterstützung bei der Antragsstellung gewährleisten soll.

Die Bürgerwerkstatt wurde als Bürgersprechstunde in anderem Format positiv bewertet. Die Teilnehmenden konnten ihre Anregungen einbringen und lobten die sachliche und konstruktive Gesprächskultur. Für die Zukunft erhoffen sie sich, dass es weitere Bürgerveranstaltungen dieser Art gibt. Von mancher Seite wurden die Vorformulierung von Themen und/oder mehr Augenmerk auf die Gestaltung in Fragen von landesweiter Bedeutung (anstelle lokaler Themen) gewünscht. Andere hätten sich gewünscht, dass die Teilnehmenden sich weniger an die Funktionssachverständigen wenden, sondern mehr untereinander reden.

Die »Bürgerwerkstatt« in Bautzen am 31. Januar 2019

Männer und Frauen sitzen in einem großen Saal.
In der »Bürgerwerkstatt« in Bautzen konnten die Teilnehmenden ihre Anregungen einbringen und lobten die sachliche und konstruktive Gesprächskultur.  © Sächsische Staatskanzlei

Mehr als einhundert geladene Bürgerinnen und Bürger aus dem Landkreis Bautzen diskutierten in sehr lebhaften, teils auch emotionalen Gesprächsrunden über zweieinhalb Stunden lang aktuelle Herausforderungen und Zukunftsperspektiven im Landkreis und für Sachsen.

Unter den Gästen waren auch:

  • Landrat Michael Harig,
  • Beigeordneter des Landkreises Bautzen Udo Witschas,
  • Amtschef der Sächsischen Staatskanzlei Thomas Popp,
  • Polizeipräsident Torsten Schultze sowie
  • Kreisbrandmeister Manfred Pethran.

Per Los wurde über die Zusammensetzung der Diskussionsrunden entschieden. Damit alle Teilnehmenden jeweils mit allen fünf Gesprächspartnern in den Austausch kommen konnten, wechselten diese alle 30 Minuten den Tisch.

Ein Hauptanliegen der Teilnehmenden war der Ausbau der Infrastruktur und des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Häufig hätten ältere Menschen kaum die Möglichkeit, die Freizeitangebote in den größeren Städten wahrzunehmen, da die Fahrzeiten der Busse zu unregelmäßig seien. Hier wurde vorgeschlagen, weniger Gelder an die Busunternehmen fließen zu lassen. Statt dessen sollten diese Gelder der Kommune zur Verfügung stehen, die sich damit Sammeltaxis anschaffen könnten.

Videobeitrag zur »Bürgerwerkstatt« in Bautzen

Ausführlich wurde über das Thema Ehrenamt gesprochen. Man war sich einig: Es bedürfe einer noch stärkeren Förderung des ehrenamtlichen Engagements. Die bürokratischen Hürden seien noch zu hoch. Man wünschte sich eine schnelle Bearbeitung der Fördermittelanträge. Gefordert wurden auch regelmäßige, eigene Veranstaltungen zum Thema Ehrenamt. Darin könnten sowohl grundsätzliche Fragen zum Ehrenamt (z.B. Verhältnis der Förderung von lokalen Initiativen zur Förderung bei Feuerwehr und Sozialträger) als auch praktischen Fragen bei der Antragsstellung erörtert und gleichzeitig die für das Ehrenamt so wichtige Vernetzung gefördert werden.

Beim Thema Polizei wünschten sich die Bürgerinnen und Bürger sowohl die Einrichtung neuer als auch den personellen Ausbau bestehender Reviere, damit man sich persönlich sicherer fühle.

Bei der Bildung forderten die anwesenden Schüler aktuelle Lehrmaterialien ein. Veraltete Schulgebäude sollten schnell saniert werden. Nur wenn zukünftig in die Bildung investiert wird, könne die Attraktivität des ländlichen Raums bewahrt und die Abwanderung von jungen Menschen eingegrenzt werden.

Die Bürgerinnen und Bürger wünschten sich von Seiten der Politik mehr Transparenz und Kommunikation. Erfolgreich umgesetzten Inhalte würden nur bedingt thematisiert, weshalb viele BürgerInnen über den Fortschritt unzureichend informiert seien. Die Bürgerwerkstätten seinen gute Formate, um in politische Prozesse eingebunden zu werden. Man hoffe, dass weitere Expertenrunden auch in Zukunft geführt werden könnten.

Die Gesprächspartner aus dem Landkreis und der Staatsregierung nahmen viele konstruktive Anregungen und Vorschläge aus der Bürgerwerkstatt mit.

Die »Bürgerwerkstatt« in Leipzig am 12. Februar 2019

Probleme ansprechen, die Zukunft planen und sich weiter vernetzen – mit diesem Ziel kamen die rund 70 Gäste zur Bürgerwerkstatt in Leipzig. Sie diskutierten lebhaft, kritisch und in einer konstruktiven Arbeitsatmosphäre wie Leipzig bis 2030 noch lebenswerter gestaltet werden kann. Neben den Bürgerinnen und Bürgern waren als Gesprächspartner eingeladen: Oberbürgermeister Burkhard Jung, der Sächsische Staatsminister der Justiz Sebastian Gemkow, Bürgermeister und Beigeordneter für Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule Prof. Dr. Thomas Fabian sowie Polizeipräsident Torsten Schulze. Sie konnten zahlreiche Vorschläge und Hinweise aus dem Kreis der Anwesenden für ihre Arbeit mitnehmen.

Ein Hauptanliegen für die Teilnehmer war es, die Kommunikation zwischen Bürgern, Verwaltung und Politik zu verbessern. Dabei ging es vor allem um den Wunsch der Bürgerinnen und Bürger, dass Politiker besser erreichbar sein sollen, z.B. über moderne Diskussionsformate. Auch die Verwaltung müsse in Schrift, Ton und Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger noch serviceorientierter werden.

Ein weiteres, wichtiges Thema der Veranstaltung stellte der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) dar. So wurde sich beispielsweise ein preiswertes Seniorenticket gewünscht und eine stärkere Präsenz von Sicherheitspersonal in den Bahnen. Aber auch besser ausgebaute Radwege wurden angemahnt, um die Stadt noch lebenswerter zu machen. Die Autoinfrastruktur in und um Leipzig sei für die Masse an Autos nicht mehr ausreichend ausgebaut. Um dem Stau entgegen zu wirken, wurden verstärkt Mobilitätskonzepte und -angebote, wie beispeilsweise Car Sharing, gefordert. Außerdem war es ein Wunsch der Teilnehmenden, E-Mobilität mehr in das Bewusstsein der Gesellschaft zu bringen.

Ein globales Problem, welches auch vor Leipzig keinen Halt mehr macht, ist der verstärkte Zuzug in die Stadt und damit einhergehend die starke Nachfrage nach bezahlbaren Wohnungen, besonders für die sozial Schwächeren. Außerdem wurde der Ausbau von Grünflächen gewünscht, denn nur so kann das attraktive Bild Leipzigs bewahrt werden.

Die ehrenamtlich Tätigen forderten, die bürokratischen Hürden durch die zuständigen Stellen zu senken, um bei ihrer gesellschaftlich wichtigen Arbeit entlastet zu werden. Außerdem wünschen sie sich eine stärkere Vernetzung untereinander. Die Behörden sollten sich noch besser abstimmen oder ihre Zuständigkeiten konzentrieren. Ämterrunden wurden angeregt, die genau diese Ziele verfolgen sollen.

Die Teilnehmer der Veranstaltung bewerteten diese Bürgerbeteiligung als geglücktes Instrument, um die Bürger verstärkt in den politischen Prozess zu integrieren. Sie wünschen sich regelmäßig stattfindende Veranstaltungen dieser oder vergleichbarer Art.

Videobeitrag zur »Bürgerwerkstatt« in Leipzig

Die »Bürgerwerkstatt« in Annaberg-Buchholz am 13. Februar 2019

Der Einladung zur Bürgerwerkstatt ins verschneite Annaberg-Buchholz waren knapp 60 Bürgerinnen und Bürger gefolgt. Teils hitzig sprachen Sie über aktuelle Herausforderungen und Probleme in und um den Landkreis und diskutierten gemeinsam über Zukunftsvorstellungen. Als Sachverständige sprachen mit den Gästen der Landrat des Erzgebirgskreises Frank Vogel, die Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Dr. Eva-Maria Stange, der Beigeordnete des Erzgebirgskreises Andreas Stark, der Leiter der Abteilung Umwelt, Verkehr und Sicherheit im Landratsamt Rico Ott sowie die Chemnitzer Polizeipräsidentin Sonja Penzel.

Einer der meistdiskutiertesten Themen am Abend war der Ärztemangel. Zu wenige Mediziner möchten auf das Land gehen und sich dort mit einer Arztpraxis niederlassen, obwohl gerade dort der Bedarf im Erzgebirgskreis sehr hoch ist.

Vielfach wurde der Wunsch nach einer besseren Infrastruktur des Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) geäußert. Die Bürgerinnen und Bürger schlugen vor allem bessere Anbindungen nach Annaberg-Buchholz und Chemnitz vor. Tickets sollten preisgünstiger sein und der Wunsch nach einem günstigen Sachsenticket wurde formuliert. Schlaglöcher, gerade jetzt nach dem Winter mit reichlich eingesetztem Salz auf den Straßen, erschweren das Autofahren. Ein besseres Planungsrecht und mehr Querverbindungen durch den schnelleren Ausbau des Straßennetzes zwischen den einzelnen Orten würden helfen, Kilometer einzusparen, um von A nach B zu kommen.

Videobeitrag zur »Bürgerwerkstatt« in Annaberg-Buchholz

Eine Verstärkung der Kriminalprävention bei der dazu notwendigen fachübergreifenden Zusammenarbeit von Polizei, Landkreis, Kommunen und sozialen Trägern wurde mehrmals thematisiert. Außerdem wurden praktische Vorschläge und Aufklärung erbeten, wie die doch recht breite Spanne zwischen objektiver und gefühlter Sicherheit in der Region verringert werden könne und die wichtige Rolle der Bürgerpolizisten dabei diskutiert. Erfolge bei der Verbesserung der Sicherheit müssen in Zukunft besser kommuniziert werden.

Beim Ehrenamt wurde häufig die Entbürokratisierung der Verwaltungsverfahren gefordert. Die Antragstellung könnte unkomplizierter und Bearbeitungszeiten kürzer gestaltet werden. Außerdem sollte das Ehrenamt eine höhere Wertschätzung erfahren. Dann würde es wohl auch leichter fallen, Nachwuchs zu gewinnen.

Um die regionale Wirtschaft des Landkreises zu stärken, wurden handwerkliche Kurse an Schulen gefordert. Nur so kann eine regionale Bindung entstehen. Gewünscht wurde sich auch die Stärkung der Forschungs- und Wissenschaftslandschaft in der Region.

Die Teilnehmenden bewerteten die Bürgerwerkstatt positiv und betonten die angenehme, sachliche und überparteiliche Atmosphäre des Abends. Besonders zufrieden waren sie über das Gespräch auf Augenhöhe.

Viele Teilnehmer schätzen die neuen Kommunikationsformate der Sächsischen Staatsregierung sehr. Kritisiert wurde, dass oft die aktuellen Probleme im Vordergrund standen und so für die Erarbeitung von Zukunftsvisionen zu wenig Zeit blieb.

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